Meckenbeuren, 18.09.2016, von Stefan Gall

Schwabanien in Flammen – THW übt Auslandseinsatz

Ladenburg/Friedrichshafen, 17.09.2016. Seit Wochen stehen in Schwabanien, einem fiktiven Land im Süden Europas, die Wälder in Flammen. Die Feuerwehren können viele Brände löschen. Die Versorgung mit Löschwasser wird jedoch zunehmend schwieriger, da große Mengen an Wasser über weite Strecken herangeführt werden müssen.

Pumpenspezialisten entladen das mitgeführte Material

Schwabanien hat die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union über das Gemeinschaftsverfahren im Katastrophenschutz um technische und personelle Unterstützung gebeten. Dies war die realistische Ausgangslage für eine landesweite Übung der Pumpenteams aus Baden-Württemberg, die am Wochenende rund um Friedrichshafen stattfand. Dabei wurden alle Facetten eines Hilfseinsatzes im Ausland, der im Ernstfall mit An- und Abreise rund zwei Wochen dauert, zeitlich dicht getaktet in nur zwei Tagen trainiert. Der THW-Landesverband Baden-Württemberg stellt ein High Capacity Pumping (HCP) - Modul von bundesweit acht für den Einsatz im Rahmen des EU-Gemeinschaftsverfahren für Einsätze bereit.

Für diese spezielle Auslandsverwendung stellt der THW-Ortsverband Ladenburg zwei besonders ausgebildete Helfer und Ausstattung (LKW mit Ladebordwand, Großpumpe DIA 15.000 Liter/Minute sowie umfangreiches Schlauchmaterial) zur Verfügung.

Gelassen bleiben – Training für den Ernstfall

Schon die Einreise und die Zollbestimmungen können zu bürokratischen Hindernissen wachsen und zu Stress bei den Helferinnen und Helfern führen. „Hier gelassen zu reagieren“, erläutert Dominika Ogasa vom Einsatzreferat des THW-Landesverbandes Baden-Württemberg, „ist eines unserer Trainingsziele. Ist der durch die lokalen Behörden in Schwabanien zugewiesene Einsatzraum erreicht, sind Zelte und Feldbetten für das Lager der Einsatzteams aufzubauen und Essen und Trinken für die eingesetzten Kräfte sowie Diesel für Fahrzeuge und Geräte zu beschaffen“, erklärt die THW Mitarbeiterin die weiteren Schritte der Übung. Damit haben die Führungskräfte und Logistiker alle Hände voll zu tun. Verhandlungen mit „einheimischen“ Grundstückseigentümern und Händlern in englischer Sprache sind zu führen, auch dies sind Herausforderungen für die Einsatzkräfte des THWs im Ausland.

15.000 Liter - Inhalt von 100 Badewannen in einer Minute transportiert

Sind dann alle Hürden genommen, kann mit dem eigentlichen Auftrag der Pumpenteams begonnen werden. Mit leistungsfähigen, dieselgetriebenen Großpumpen an riesigen Schläuche angekoppelt, gilt es Hunderttausende Liter Wasser über mehrere Hundert Meter zu transportieren, um Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehren zu befüllen. Die leistungsfähigsten Pumpen können dabei den Inhalt von 100 Badewannen in einer Minute bewegen. Damit dies im Rahmen der Übung keine leicht zu lösende Aufgabe wird, sorgten die Übungsleiter aus dem Ortsverband Friedrichshafen: Ortsbeauftragter Matthias Gruber und Truppführer Benjamin Brose mit ihrem Team sorgten für die notwendige Atmosphäre. So mussten die Pumpenexperten des THWs aus Holz eine Hilfskonstruktion bauen, damit rund 5000 reale Radler sicher über die dicken Saug- und Druckschläuche fahren konnten. Das benötigte Bauholz musste natürlich rechtzeitig bei einem örtlichen Baustoffhändler in Schwabanien eingekauft werden.

Planung gefordert

Neben dem richtigen Umgang mit der Pumpenausstattung stellten die Übungsplaner auch die Planungskompetenz auf den Prüfstand. Wäre es möglich, einen nahegelegenen kleinen Weiher vollständig leer zu pumpen? Welche Zeit nimmt das in Anspruch? Wie viele Pumpen können eingesetzt werden? Um auf diese Fragen kompetente Antworten geben zu können, mussten die Technischen Leiter Erkundungen vor Ort durchführen, Wassertiefen schätzen, Berechnungen anstellen und den Umgang mit GPS-Geräten beherrschen.

Mit dem Rückbau der Ausstattung und ersten Rückmeldungen der Übungsbeobachter ging das Trainingswochenende des baden-württembergischen High Capacity Pumping Teams am Sonntagvormittag erfolgreich zu Ende. Die Mitglieder der Auslandseinheit traten die Rückreise an ihre Heimatstandorte an.

Die Organisation dieser Übung oblag dem  THW Ortsverband Friedrichshafen. Weiterhin waren zahlreiche Ortsverbände aus ganz Baden-Württemberg sowie die Johanniter-Unfallhilfe aus Friedrichshafen an dem reibungslosen Ablauf beteiligt.

Text: Frank Winterfeldt


  • Pumpenspezialisten entladen das mitgeführte Material

Alle zur Verfügung gestellten Bilder sind honorarfrei und dürfen unter Angabe der Quelle für die Berichterstattung über das THW und das Thema Bevölkerungsschutz verwendet werden. Alle Rechte am Bild liegen beim THW. Anders gekennzeichnete Bilder fallen nicht unter diese Regelung.




Suche

Suchen Sie hier nach einer aktuellen Mitteilung: